Geboren 1933 in Düsseldorf und unter schwierigen Verhältnissen aufgewachsen, versucht Rosemarie früh, ihrem bisherigen Leben zu entkommen. Nach Aufenthalten in Heimen und Pflegefamilien gelangt sie schließlich nach Frankfurt. Dort baut sie sich als Prostituierte mit wohlhabender Kundschaft eine ungewöhnliche Existenz auf.
Sie lernt Englisch und Französisch, achtet auf Kleidung und Auftreten und bewegt sich zunehmend in Kreisen, die für eine junge Frau ihrer Herkunft kaum erreichbar erscheinen. Ihr schwarzer Mercedes-Benz 190 SL mit roten Ledersitzen wird zu ihrem Markenzeichen. Rosemarie fährt durch Frankfurt, hält sich vor vornehmen Hotels auf und pflegt Kontakte zu Geschäftsleuten und Angehörigen vermögender Familien.
Doch Ende Oktober 1957 verstummt ihr Leben plötzlich.
Mehrere Tage lang bleibt die Tür ihrer Wohnung in der Stiftstraße 36 geschlossen. Lieferungen sammeln sich davor. Schließlich wird am 1. November die Polizei verständigt. In der Wohnung finden die Beamten Rosemarie Nitribitt tot auf. Sie weist Verletzungen am Kopf und Würgemale am Hals auf.
Schon in den ersten Stunden entstehen Probleme, die die Ermittlungen noch Jahrzehnte später überschatten werden.
Die Wohnung ist ungewöhnlich warm. Fenster werden geöffnet, bevor wichtige Temperaturmessungen vorgenommen werden. Damit wird es schwierig, den genauen Todeszeitpunkt zuverlässig festzustellen. Gerade diese Frage sollte später im Gerichtsverfahren eine entscheidende Rolle spielen.

Die Ermittler überprüfen zahlreiche Personen aus Rosemaries Umfeld. Ihr gesellschaftlicher Kontaktkreis sorgt schnell für Schlagzeilen. Namen wohlhabender und prominenter Männer tauchen in den Untersuchungen auf. Gleichzeitig verbreiten sich Gerüchte: Hatte Rosemarie Informationen gesammelt? Könnte jemand Angst vor einem Skandal gehabt haben?
Für viele dieser Vermutungen fehlen jedoch belastbare Beweise.
Besonders stark gerät Heinz Christian Pohlmann ins Visier. Der Handelsvertreter kennt Rosemarie persönlich und hat sie am 29. Oktober besucht. Seine finanzielle Situation und Geld, über dessen Herkunft Fragen entstehen, machen ihn für die Ermittler verdächtig. Schließlich wird er wegen des Mordes angeklagt.
1960 beginnt der Prozess.
Die Staatsanwaltschaft stützt sich vor allem auf Indizien. Doch die Verteidigung greift einen zentralen Schwachpunkt an: Niemand kann mit ausreichender Sicherheit beweisen, wann Rosemarie tatsächlich starb. Zeugenaussagen deuten zudem darauf hin, dass sie möglicherweise später noch gesehen wurde.
Im Juli 1960 wird Heinz Pohlmann mangels ausreichender Beweise freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft legt keine Revision ein.
Damit bleibt die wichtigste Frage unbeantwortet.
In den folgenden Jahrzehnten entstehen zahlreiche Theorien über ein mögliches Eingreifen einflussreicher Kreise. Später wiederentdeckte Ermittlungsunterlagen schwächen jedoch verschiedene Legenden, die sich um den Fall gebildet haben. Ein Beweis für eine große Vertuschungsaktion wird nicht gefunden.
Mehr als ein halbes Jahrhundert später gehört der Tod von Rosemarie Nitribitt noch immer zu den bekanntesten ungelösten Kriminalfällen der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Wer war ihr letzter Besucher?
Und wer tötete Rosemarie Nitribitt?