Verschwunden im Nirgendwo – Der Fall Lolita Brieger

Am 4. November 1982 verschwindet in der Eifel eine junge Frau. Ihr Name ist Lolita Brieger. Sie ist erst 18 Jahre alt, arbeitet als Näherin und erwartet ein Kind. An diesem Herbsttag will sie den Vater ihres ungeborenen Kindes treffen. Doch von diesem Treffen kehrt sie nie zurück.

Lolita wächst mit vier Geschwistern in Frauenkron auf. Ihre Familie lebt in einfachen Verhältnissen. Im Sommer 1981 lernt sie Josef Klein kennen, einen drei Jahre älteren Bauernsohn aus dem nahe gelegenen Scheid. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Beziehung, doch in Josefs Familie stößt diese Verbindung auf Widerstand. Besonders sein Vater soll eine gemeinsame Zukunft des jungen Paares abgelehnt haben.

Als Lolita schwanger wird, verschärft sich die Situation. Sie möchte das Kind bekommen und hofft auf eine gemeinsame Zukunft. Josef dagegen zieht sich zunehmend zurück. Am Abend vor ihrem Verschwinden kommt es zu einem heftigen Streit. Für den nächsten Tag ist ein Gespräch auf dem Hof seiner Familie geplant. Dabei soll auch über eine finanzielle Lösung gesprochen werden.

Am 4. November fährt eine Arbeitskollegin Lolita ein Stück in Richtung Scheid. Gegen 13 Uhr steigt sie aus und will die letzten Kilometer zu Fuß zurücklegen. Danach verliert sich ihre Spur.

Wenige Tage später meldet ihre Familie sie als vermisst. Die Polizei prüft mehrere Möglichkeiten. Wegen eines früheren Suizidversuchs und eines Abschiedsbriefes wird zunächst auch ein freiwilliger Tod in Betracht gezogen. Ebenso gibt es Spekulationen, Lolita könne irgendwo ein neues Leben begonnen haben. Doch nichts davon lässt sich bestätigen.

Auch Josef gerät ins Blickfeld der Ermittler. Beweise für eine Straftat fehlen jedoch. Monate später wird lediglich Lolitas Schlüsselbund in Stadtkyll gefunden. Der Fall bleibt ungeklärt.

Fast drei Jahrzehnte vergehen.

Dann kommt im Jahr 2011 Bewegung in die Ermittlungen. Die Trierer Kriminalpolizei nimmt den alten Fall erneut intensiv unter die Lupe. Am 24. August wird Lolitas Verschwinden in „Aktenzeichen XY… ungelöst“ vorgestellt. Die Ermittler appellieren besonders an Menschen, die möglicherweise seit Jahren etwas wissen.

Der Aufruf zeigt Wirkung.

Eine Zuschauerin liefert einen entscheidenden Hinweis auf einen früheren engen Freund Josefs. Bei seiner Vernehmung gibt der Mann schließlich zu, damals bei der Beseitigung von Lolitas Körper geholfen zu haben.

Am 19. Oktober 2011 finden Ermittler auf einer stillgelegten Mülldeponie bei Frauenkron menschliche Überreste. Eine DNA-Untersuchung bestätigt kurze Zeit später die traurige Gewissheit: Es ist Lolita Brieger.

29 Jahre nach ihrem Verschwinden kann ihre Familie sie endlich beerdigen.

Josef Klein muss sich 2012 vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord vor. Das Gericht kommt jedoch zu einem komplizierten Ergebnis: Die Richter sind überzeugt, dass Josef für Lolitas Tod verantwortlich ist. Mordmerkmale können nach so langer Zeit jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Juristisch bleibt deshalb nur Totschlag.

Und genau dieser ist inzwischen verjährt.

Am 11. Juni 2012 wird Josef vom Mordvorwurf freigesprochen und kommt frei.

Der Fall Lolita Brieger endet damit auf ungewöhnliche Weise: Das Schicksal der jungen Frau ist nach fast drei Jahrzehnten weitgehend geklärt – doch eine strafrechtliche Verurteilung erfolgt nicht. Zurück bleibt die Geschichte einer 18-Jährigen und ihres ungeborenen Kindes, deren Familie fast 29 Jahre auf Gewissheit warten musste.

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