Frankfurt am Main und das Rhein-Main-Gebiet, Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre. Unter den Straßen der Städte verläuft ein weit verzweigtes Netz aus Kanälen und Abwasserleitungen. Niemand ahnt zunächst, dass genau dieses System zum Mittelpunkt einer der rätselhaftesten Mordserien Deutschlands werden sollte.
Am 7. September 1976 wird in einem Waldgebiet bei Stangenrod nahe Gießen die Leiche eines unbekannten Jugendlichen entdeckt. Der Tote ist etwa 15 bis 18 Jahre alt. Eine schwere Verletzung am Schädel deutet auf ein Gewaltverbrechen hin. Seine Identität bleibt ungeklärt. Zu diesem Zeitpunkt gibt es keinen Hinweis darauf, dass dieser Fund möglicherweise der Beginn einer Serie ist.
Jahre vergehen.
Im Mai 1982 wird bei Dreieich ein weiterer 17-jähriger Jugendlicher gefunden. Der Zustand des Körpers macht es nahezu unmöglich, die genaue Todesursache zu bestimmen. Im September desselben Jahres folgt ein weiterer erschütternder Fund: Bernd Michel, etwa 17 oder 18 Jahre alt, wird in einer Abwasseranlage bei Darmstadt-Erzhausen entdeckt. Die Ermittler gehen davon aus, dass er möglicherweise noch lebte, als er in das Kanalsystem gelangte.
1983 verdichten sich die Hinweise auf eine Serie. Im Juli wird der 17-jährige Markus Hildebrandt in einer Kläranlage entdeckt. Er hatte sich zeitweise in der Frankfurter Drogenszene aufgehalten und möglicherweise Kontakte zum Straßenmilieu gehabt.
Nur wenige Wochen später verschwindet der 14-jährige Fuad Rahou. Seine Eltern melden ihn am 1. September als vermisst. Acht Tage später wird er in der Kläranlage Frankfurt-Niederrad gefunden. Anfangs wird sogar ein Unfall in Betracht gezogen. Doch die Ermittlungen führen schließlich zu einem anderen Ergebnis.
Am 11. Oktober folgt der nächste Fall. Oliver Tupikas ist erst elf Jahre alt. Auch er wird in Niederrad gefunden. Nun können die Ermittler kaum noch von Zufällen ausgehen.
Mehrere Opfer weisen ähnliche Merkmale auf. Sie waren sehr jung, teilweise sozial besonders gefährdet und offenbar vor ihrem Tod gefesselt worden. Der Täter scheint außerdem genau zu wissen, wie sich das weitläufige Kanalsystem nutzen lässt, um Spuren möglichst lange verschwinden zu lassen.

Eine Sonderermittlungsgruppe nimmt die Arbeit auf. Unter der Leitung von Horst Kropp untersucht die „AG 229“ Kontakte der Opfer und das Umfeld rund um Frankfurt und Offenbach.
Ein Mann aus Offenbach gerät besonders in den Fokus. Der etwa 40-jährige Lagerarbeiter ist bereits wegen Sexualdelikten aufgefallen und soll Jugendliche in einer Gartenhütte getroffen haben. Mehrere Gegenstände werden sichergestellt, außerdem bestehen Verbindungen zu einigen späteren Opfern.
Doch der entscheidende Beweis fehlt. Gefundene Blutspuren können nicht einem der Opfer zugeordnet werden. Eine Anklage wegen der Kanalmorde erfolgt nicht.
Auch kriminalpsychologische Untersuchungen liefern nur ein mögliches Täterbild: vermutlich ein einzelner Mann, ortskundig, mobil und sozial eher isoliert. Doch ein Profil ist kein Name.
1989 kommt es zu einem letzten bedrückenden Fund. In Offenbach-Rosenhöhe werden Überreste des seit 1983 vermissten 14-jährigen Daniel Schaub entdeckt.
Sechs Jahre hatte niemand gewusst, wo er geblieben war.
Mindestens sieben junge Menschen werden mit der rätselhaften Serie in Verbindung gebracht. Trotz umfangreicher Ermittlungen konnte niemand zweifelsfrei als Täter überführt werden.
Vielleicht starb der Verantwortliche. Vielleicht wurde er wegen anderer Straftaten inhaftiert. Vielleicht führte er später ein völlig unauffälliges Leben.
Die Akten blieben zurück.
Und mit ihnen eine Frage, auf die es bis heute keine sichere Antwort gibt:
Wer war der Täter der Kanalmorde?