Der Maskenmann – Zehn Jahre Jagd nach einem Phantom

Norddeutschland, September 2001. In einem Schullandheim bei Wulsbüttel verbringen Kinder einige unbeschwerte Tage fernab von zu Hause. Am Abend des 4. September nimmt auch der neunjährige Dennis K. noch am gemeinsamen Programm teil. Doch am nächsten Morgen fehlt von ihm jede Spur.

Die Nachricht löst eine groß angelegte Suche aus. Polizei, Helfer und Angehörige hoffen zunächst, den Jungen lebend zu finden. Doch wenig später wird Dennis tot aufgefunden. Für seine Familie beginnt eine Zeit, die von Trauer und einer quälenden Frage bestimmt wird: Wer hat ihn aus dem Schullandheim geholt?

Die Ermittler prüfen Hunderte Hinweise. Bald entsteht der Verdacht, dass Dennis nicht das erste Opfer dieses Täters gewesen sein könnte. Ähnliche Fälle reichen Jahre zurück.

1992 verschwand der 13-jährige Stefan J. aus einem Internat in Scheeßel. Drei Jahre später wurde der achtjährige Dennis R. aus einem Ferienlager in Schleswig-Holstein entführt. Auch er wurde später tot gefunden. Die Fälle liegen Jahre auseinander, doch bestimmte Merkmale ähneln sich.

Zeugen berichten außerdem von einem großen, kräftigen Mann, der teilweise maskiert aufgetreten sein soll. In den Medien erhält der unbekannte Täter einen Namen: der „Maskenmann“.

Jahrelang bleibt er ein Phantom.

Eine Sonderkommission untersucht zahlreiche Männer, überprüft frühere Sexualstraftäter und rekonstruiert mögliche Bewegungen des Täters. 2007 gerät auch ein Pädagoge aus Norddeutschland in den Blick der Ermittler. Doch konkrete Beweise fehlen. Der Mann gibt teilweise ausweichende oder falsche Antworten, ohne dass ihm eine Verbindung zu den Mordfällen nachgewiesen werden kann.

Dann kommt neue Bewegung in die Ermittlungen.

Ein Zeuge erinnert sich an eine auffällige Beobachtung aus dem Jahr 2001: Auf einem Waldweg habe er einen hellen Opel Omega gesehen. Am Steuer ein kräftiger Mann, im Fahrzeug ein blonder Junge. Die Erinnerung führt zu einem neuen öffentlichen Fahndungsaufruf. Mehr als tausend Hinweise gehen bei der Polizei ein.

Der entscheidende Hinweis kommt schließlich von einem Mann, der Jahre zuvor selbst Opfer eines Übergriffs geworden war. Er erinnert sich daran, dass ihn ein Betreuer bei einer Jugendfreizeit auffällig nach seiner Wohnsituation gefragt hatte. Diese Aussage führt die Ermittler erneut zu dem bereits bekannten Pädagogen.

Im April 2011 wird der damals 40-jährige Martin N. in Hamburg festgenommen.

Kurz darauf gesteht er die Tötung von Stefan J., Dennis R. und Dennis K. Außerdem räumt er zahlreiche weitere Übergriffe auf Kinder ein. Nach Angaben der Ermittler nennt er Details, die nur der Täter kennen konnte.

Das Bild, das sich nun ergibt, ist verstörend gerade wegen seiner Unauffälligkeit. Nachbarn und Bekannte beschreiben Martin N. als ruhig, hilfsbereit und intelligent. Er hatte im pädagogischen Bereich gearbeitet und kannte Jugendfreizeiten, Zeltlager und andere Einrichtungen aus eigener Erfahrung.

Hinter diesem gewöhnlichen Äußeren hatte sich über viele Jahre ein gefährliches Doppelleben verborgen.

Fast zehn Jahre nach dem Verschwinden von Dennis K. endet damit die Jagd nach dem „Maskenmann“. Für die Angehörigen kann die Aufklärung die Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Doch nach Jahren der Ungewissheit gibt es endlich eine Antwort auf die Frage, die sie so lange begleitet hatte:

Wer war der Mann hinter der Maske?

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