Hamburg, Anfang der 1970er-Jahre. St. Pauli ist ein Viertel voller Gegensätze. Nachts leuchten die Reklamen der Bars und Kneipen, Menschen kommen und gehen, und zwischen all dem Trubel leben viele, deren Verschwinden kaum jemand bemerken würde. Genau in dieser Umgebung beginnt eine Mordserie, die erst Jahre später durch einen Zufall ans Licht kommen sollte.
Fritz Honka lebt in einer kleinen Dachgeschosswohnung in der Zeißstraße 74 in Hamburg-Ottensen. Der 1935 in Leipzig geborene Mann führt ein unscheinbares Leben. Er arbeitet unter anderem als Nachtwächter, verbringt jedoch einen großen Teil seiner freien Zeit in den Kneipen rund um St. Pauli. Alkohol bestimmt zunehmend seinen Alltag.
Seine Vergangenheit ist schwierig. Honka wächst unter problematischen familiären Verhältnissen auf, verbringt Teile seiner Kindheit in Heimen und kommt als Jugendlicher nach Westdeutschland. Nach verschiedenen Arbeiten zieht er Mitte der 1950er-Jahre nach Hamburg. Eine Ehe scheitert, später kommt es erneut zu Konflikten und Trennungen. Auch mit der Polizei gerät Honka bereits vor seiner späteren Mordserie in Kontakt.
In den Bars von St. Pauli sucht er die Gesellschaft von Frauen, darunter ältere Gelegenheitsprostituierte, die häufig selbst am Rand der Gesellschaft leben.
Im Dezember 1970 wird die 42-jährige Gertraud Bräuer zu seinem ersten nachgewiesenen Opfer. Nach späteren Aussagen Honkas kommt es in seiner Wohnung zu einem Streit, nachdem die Frau seine sexuellen Forderungen zurückweist. Honka erwürgt sie.
Anschließend versucht er, die Spuren seiner Tat zu beseitigen. Er zerteilt den Körper und versteckt beziehungsweise beseitigt die Überreste an verschiedenen Orten. Teile werden später von der Polizei gefunden und Bräuer zugeordnet. Doch eine Verbindung zu Fritz Honka kann damals nicht hergestellt werden.
Danach geschieht jahrelang scheinbar nichts.

Im August 1974 beginnt die Serie erneut. Die 54-jährige Anna Beuschel befindet sich in Honkas Wohnung, als es erneut zu einem tödlichen Angriff kommt. Auch sie wird erwürgt.
Nur wenige Monate später stirbt die 57-jährige Frieda Roblick unter ähnlichen Umständen. Im Januar 1975 folgt schließlich Ruth Schult, 52 Jahre alt.
Innerhalb weniger Monate sind drei Frauen verschwunden.
Das Auffällige: Kaum jemand meldet sie als vermisst.
Honka erkennt offenbar, wie wenig Aufmerksamkeit das Verschwinden dieser Frauen hervorruft. Die sterblichen Überreste versteckt er in seiner Wohnung und in Bereichen des Dachbodens.
Doch etwas lässt sich nicht verbergen.
Ein zunehmend unangenehmer Geruch breitet sich im Gebäude aus.
Nachbarn beschweren sich. Manche wenden sich sogar an Verantwortliche oder Behörden. Trotzdem erkennt niemand die tatsächliche Ursache. Honka versucht unterdessen, den Geruch mit großen Mengen stark riechender Duft- und Toilettensteine zu überdecken.
Monate vergehen.
Dann verändert ein Feuer alles.
Im Juli 1975 bricht in dem Gebäude in der Zeißstraße ein Brand aus. Feuerwehrleute durchsuchen nach dem Löschen auch die oberen Bereiche des Hauses. Dabei stoßen sie auf etwas, das zunächst kaum erklärbar erscheint: menschliche Überreste.

Die Polizei wird verständigt.
Nun beginnt eine intensive Durchsuchung des Hauses und von Honkas Wohnung. Hinter Verkleidungen und in Dachbereichen entdecken die Ermittler weitere Überreste. Nach und nach wird klar, dass mehrere Frauen dort verborgen worden waren.
Fritz Honka befindet sich während des Brandes zunächst nicht in seiner Wohnung. Als er zurückkehrt, gerät er schnell ins Zentrum der Ermittlungen.
Es folgen stundenlange Vernehmungen.
Schließlich gesteht Honka die Tötungen. Später zieht er Teile seiner Aussagen zurück und erklärt, sich an verschiedene Vorgänge nicht erinnern zu können. In seinen Aussagen spricht er unter anderem davon, sich von Frauen verspottet oder zurückgewiesen gefühlt zu haben. Gleichzeitig spielt sein massiver Alkoholkonsum bei der späteren juristischen Bewertung eine wichtige Rolle.
Der Prozess beginnt 1976 in Hamburg.
Psychiatrische Gutachter beschäftigen sich intensiv mit Honkas Persönlichkeit und seiner Schuldfähigkeit. Das Gericht kommt schließlich zu einem ungewöhnlichen Urteil: Fritz Honka wird wegen eines Mordes und dreier Fälle von Totschlag verurteilt. Wegen seiner eingeschränkten Schuldfähigkeit wird er für 15 Jahre in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.
Viele Jahre später darf er die Einrichtung verlassen. Unter dem Namen Peter Jensen lebt er schließlich zurückgezogen in einem Pflegeheim.
Am 19. Oktober 1998 stirbt Fritz Honka im Alter von 63 Jahren in Hamburg.
Zurück bleibt ein Fall, der bis heute erschüttert – nicht allein wegen der vier getöteten Frauen.
Gertraud Bräuer, Anna Beuschel, Frieda Roblick und Ruth Schult gehörten zu Menschen, deren Verschwinden damals kaum Aufmerksamkeit hervorrief. Genau diese gesellschaftliche Unsichtbarkeit machte es möglich, dass mehrere Taten über Jahre unentdeckt blieben.
Am Ende war es weder eine Zeugenaussage noch eine spektakuläre Ermittlungsoperation, die Fritz Honka überführte.
Es war ein Feuer.
Ein Zufall öffnete schließlich die Türen zu einem Verbrechen, das sich jahrelang nur wenige Meter von ahnungslosen Nachbarn entfernt verborgen hatte.